Auswirkungen von Rauchen (Nikotin) auf den Stoffwechsel

Der Trend des Tabak-Rauchens hat eine lange Geschichte und zehrt von derartiger gesellschaftlicher Akzeptanz, dass in den 90iger jeder zweite Deutsche aktiver Raucher war. Nachdem in den letzten Jahrzehnten immer mehr Studien publiziert wurden, die eindeutige Zusammenhänge zwischen Rauchen und der Entwicklung verschiedener Krebsarten (insbesondere Lungenkrebs) darlegten, zeigt sich seit der Jahrtausendwende tatsächlich ein abnehmender Trend, was den Tabakkonsum anbelangt. Heut geht man in Deutschland von knapp 30% aktiver Raucher aus.

Dass Rauchen ein ernsthaftes gesundheitliches Risiko aufgrund der karzinogenen (krebserregenden) Wirkung beherbergt, ist mittlerweile allgemein bekannt und soll in diesem Artikel auch nicht weiter thematisiert werden. Vielmehr widmet sich der Artikel dem Thema, wie sich das Rauchen an sich und insbesondere das Aufhören des Tabakkonsums auf den Metabolismus (Stoffwechsel) auswirkt. Grund hierfür ist die auffällig oft vertretende Beobachtung, dass Leute, nachdem sie mit dem Rauchen aufgehört haben, stark an Körpergewicht und Fettanteil zunehmen.  Das kann durchaus einige gesundheitliche Vorteile mildern, die das Aufhören des Rauchens mit sich bringen. In JEDEM Fall sei aber gesagt, so sind sich sämtliche Studien absolut einig, dass die gesundheitlichen Vorteile, die das Rauchen-Aufhören mit sich zieht, den Nachteilen der Gewichtszunahme, auch, wenn die Zunahme sehr stark ausfällt, deutlich überlegen sind. Untersuchungen zeigen, dass Personen, die mit dem Rauchen aufhören, bereits in den ersten 6 Monaten danach im Durchschnitt 6kg an Körpergewicht zunehmen.

Doch, was genau ist ursächlich für dieses Phänomen?

Beim Rauchen werden hunderte verschiedener Stoffe inhaliert, die Schlüsselsubstanz dabei ist das Nikotin, was die deutlichsten Auswirkungen auf den Körper hat. 

Einfach erklärt wirkt sich Nikotin auf drei Weisen auf den Stoffwechsel aus:

1. Es erhöht den Energieverbrauch des Körpers

2. Es sorgt für schneller eintretendes Sättigungsgefühl und mildert den Appetit

3. Es stellt für das Gehirn eine Alternative der oralen Befriedigung dar, die sonst das Konsumieren von Lebensmitteln übernimmt 

Im Folgenden werden diese drei Punkte erläutert.

1. Nikotin beeinflusst den Kalorienverbrauch

Das Körpergewicht ist abhängig von den aus der Nahrung aufgenommenen Kalorien auf der einen, und vom täglichen Kalorien-Verbrauch auf der anderen Seite. Hält sich dieses Verhältnis die Waage, bleibt das Körpergewicht gleich. Der tägliche Kalorienverbrauch hängt zum einen vom Grund/- Ruheumsatz und zum anderen vom Bewegungs-Umsatz ab. Nikotin erhöht den Ruheumsatz des Körpers um ca. 10%. Das bedeutet, dass aktive Raucher ca. 200 Kalorien mehr verbrennen, als Nichtraucher, ohne dabei Sport mit einbezogen zu haben.

Nikotin steigert die Sympathikus Aktivität des Körpers, das „Flucht -und Kampf-Organ“.  Dadurch schüttet der Körper Adrenalin aus, was ihn in eine Art Stress-Zustand versetzt. Das widerrum führt zu einer vermehrten Freisetzung von freien Fettsäuren im Gewebe, wodurch der Kalorienverbrauch erhöht wird, da vermehrt Fettsäuren zur Energieverbrennung herangezogen werden. Das heißt aber nicht, dass automatisch Körperfett verbrannt wird! Lediglich der Kalorienverbrauch des Körpers steigt an.

Exkurs dazu:

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Langzeit-(Viel)-Raucher im Vergleich zu Nicht-Rauchern im Durchschnitt einen geringeren BMI und weniger Körperfett haben, allerdings aber einen größeren Bauch-Umfang, im Vergleich zum Hüftumfang. Im Fachjargon spricht man von der „Waist-to-Hip Ration“, dem Verhältnis von Bauchumfang zu Hüftumfang. Dieser ist ein Indikator für den Viszeralfettanteil, dem Fett im Bauch-Bereich und das Fett der Organe. Wodurch kommt es, dass sich bei Rauchern das Fett speziell in diesem Bereich ansammelt? Durch die gesteigerte Sympathikus-Aktivität vom Nikotin und dem dadurch erhöhten Level an Adrenalin, produziert der Körper vermehrt das Stresshormon „Cortisol“. Erhöhte Cortisol-Spiegel sorgen für lokale Fettansammlungen im Bauch-Bereich.

2. Nikotin mildert den Appetit und macht schneller satt

Nikotin hat direkte Auswirkungen auf das Zentrale Nervensystem (ZNS). Genauer gesagt beeinflusst Nikotin den Hypothalamus, ein Teil unseres Gehirns, welches für die Regulation gewisser Hormone zuständig ist. So werden beim Rauchen einer Zigarette unter anderem Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Das sind quasi unsere „Zufriedenheits-Hormone“, die dem Körper sagen, dass gerade alles super ist. Das trifft auch auf das Sättigungsempfinden zu. Wenn der Serotonin-Spiegel also durch das Rauchen schon erhöht ist, hat der Körper nicht das Bedürfnis, durch genussvolle Lebensmittel (wie zB. Schokolade) eben diesen Zufriedenheits-Zustand zu erlangen, denn das tat bereits die Zigarette. 

Nicht nur auf das Zufriedenheitsempfinden, sondern auch auf das Sättigungsempfinden wirkt sich Nikotin aus. Unser Sättigungshormon „Leptin“ sitzt im Fettgewebe. Je weniger Körperfett man besitzt, desto weniger Leptin kann freigesetzt werden. Deshalb bekommt man am Ende von langen Diäten, wenn man viel Fett verloren und nur noch wenig Fett am Körper hat, deutlich mehr Hunger und man braucht mehr Essen, damit man tatsächlich komplette Sättigung empfindet. Nikotin sorgt unabhängig vom Körperfett-Anteil für eine höhere Aktivität von Leptin, indem das verfügbare Leptin im Gehirn vermehrt an seine Rezeptoren bindet. Dadurch tritt frühzeitiger ein Sättigungsgefühl ein.

3. Zur Zigarette statt zur Schokolade

Aus psychoanalytischer Perspektive wird das Zigaretten Rauchen als Ausdruck einer oralen Fixierung betrachtet, die bis auf das Säuglingsalter zurückzuführen ist. Es wird die Meinung vertreten, dass das Rauchen eine Gewohnheit von Menschen, mit überfürsorglichen Müttern sei, die ihre Kinder mit Nahrung beruhigt haben und somit orale befriedigung herbei führten. Sie haben quasi die Angst oder das Unbehagen des Kindes gelindert, indem sie ihm etwas zu Essen gaben. Entsprechend überträgt sich dieses Muster, dass man etwas zum Mund führt (im Falle des Rauchers dann eben die Zigarette) auf Situationen, in denen der Mensch dann unbewussterweise Unbehagen, Stress, Angst oder andere negativen Emotionen verspürt. Die scheinbare „Lösung“ für den unbefriedigten Zustand ist dann die Zigarette. Dies trifft auf die Raucher zu, die dann von der kalorienreichen Schokolade absehen, da es ja die Zigarette gibt. Demnach sparen sie im Gegensatz zum Nichtraucher, der beim Auftreten eines gleichen Musters eher zur Schokolade oder anderen Leckereien greift, Kalorien ein.

Das Ganze Thema rund ums Rauchen ist ein eigenes, großes Forschungsgebiet und noch weitaus komplexer, als hier dargestellt. Ich habe hierbei versucht, die Mechanismen des Rauchens leicht verständlich und prägnant darzulegen, um Klarheit über die Auswirkungen zu schaffen. Ich hoffe, der Versuch ist mir gelungen. Sollte das nicht der Fall sein, bin ich jederzeit offen für persönliche Rücksprache in einem Ernährungsberatungs-Termin.

Tim Bredow