Knieschmerzen: Woher kommen sie und was kann man dagegen tun?

Es zwickt und zwackt bei jeder Treppenstufe. Das Aufstehen bereitet höllische Schmerzen. Wer sich dabei wiedererkennt, hatte sie wahrscheinlich auch schon einmal: Die ungeliebten Knieschmerzen. Doch was ist überhaupt die Ursache dafür, dass uns unsere Knie manchmal ohne Fremdeinwirkung oder Unfall plötzlich wehtun. Die Antwort ist so einfach wie überraschend: Nicht immer ist das Knie selbst daran schuld!

Unser Knie ist ein sehr einfach gestricktes Gelenk: Außer in der Beugung und Streckung kann es sich nur bewegen, wenn sich ein anderes Gelenk, wie das Sprunggelenk oder die Hüfte, mitbewegt. Daher führt häufig bereits eine kleine Fehlstellung von wenigen Millimetern im Fuß oder in der Hüfte zu gravierenden Veränderungen, da wir im Schnitt mindestens 4000 Schritte am Tag gehen. 90 % aller Kniebeschwerden haben die gleiche Ursache: falsche Spannungsverhältnisse in gewissen Strukturen. Das bedeutet: Eine Struktur, z.B. der vordere Oberschenkel, ist zu stark ausgebildet. Eine andere wiederrum (hinterer Oberschenkel) zu schwach. Oft gibt eine Anamnese einen sehr guten Einblick in die Beinbelastung des Sportlers. So finden wir zum Beispiel bei Basketballern eine Verhärtung der Oberschenkelaußenseite. Bei Reitern ist hingegen eher die Oberschenkelinnenseite verhärtet. Reduziert man die Spannung in den umliegenden Strukturen des Knies, so sind die Schmerzen häufig binnen weniger Minuten reduziert. Spritzen, anti-inflammatorische Medikamente oder Bandagen wirken meist nur lokal und bekämpfen lediglich die Symptome, nicht aber die eigentliche Ursache, nämlich die Fehlstellung.

Nach der Anamnese gilt es, die Beinstellung zu analysieren, um herauszufinden, ob gewisse Strukturen, wie beispielsweise die Po-Muskulatur, so arbeiten, wie sie eigentlich sollen. Dadurch verschiebt sich schnell die Beinachse und die Belastung ist nicht mehr senkrecht, wie sie idealerweise bei einer Säule sein sollte, sondern es wirken Scherkräfte, die letztendlich zu einer Überlastung und somit zu Schmerzen führen.

Wenn wir den Fuß genauer betrachten, ist es so, dass wir durch das Tragen von Schuhen häufig zu wenig Fußmuskulatur und somit falsche Spannungsverhältnisse im Schuh haben. Die Folgen sind ein Spreiz- oder Senkfuß, im alltäglichen Sprachgebrauch auch Plattfuß genannt. Geht man mit dieser Problematik zu einem Orthopäden, werden einem häufig Einlagen verschrieben. Diese drücken das Fußgewölbe künstlich nach außen, wodurch jedoch auch der Unterschenkel nach außen rotiert wird. Allerdings ist die eigentliche Ursache der fehlenden muskulären Ansteuerung nicht behoben, sodass dadurch der Oberschenkel eher nach innen rotiert ist. So überlastet das Knie schnell. Eine Besserung tritt also nicht ein. Ein weiteres häufig verschriebenes „Gegenmittel“, die Bandage, entlastet zwar die Muskulatur, dies kann aber nur kurzfristig zu einer symptomatischen Besserung führen. Da der Körper die Muskulatur nun weniger belastet, baut sie sich auch ab. Somit kann dies die Stabilität einschränken und das Problem am Ende verstärken.

Wenn wir also sowohl auf Einlagen, Bandagen und Schmerzmittel verzichten wollen, was machen wir also in der Therapie?

Im Fitnesssport ist es sinnvoll, wenn ein Kunde bei Problemen eine Diagnose mitbringen kann. Diese wird häufig durch ein Röntgenbild oder MRT gemacht. Liegt eine Erkrankung vor, muss der Trainer etwas vorsichtiger an die Problematik herangehen, aber die Therapie ist die gleiche. Zuerst muss herausgefunden werden, wo die eigentliche Ursache liegt. Danach muss das Muskel- und Bindegewebe an der richtigen Stelle entspannt werden. Dies geschieht z.B. durch myofasziale Behandlung, Flossing oder das Training mit der Faszienrolle. Danach müssen die richtigen Bereiche ausgedehnt werden. Dies sollte in einer myofaszialen Dehnung geschehen und mindestens zwei Minuten pro Struktur dauern. Anschließend sollten die neuronal dementen Muskeln erneut angesteuert werden, sodass sich ein natürliches Fußgewölbe abbildet. Sprunggelenk, Knie und Hüfte sollen sich in einer Achse befindet und die Po-Muskulatur soll vom Becken her stabilisiert werden. Auch die Rumpfmuskulatur hat einen direkten Bezug zum Knie, da die sogenannte tiefe, frontale Linie bei fehlender Ansteuerung nicht stabilisierend Arbeiten kann und das Knie somit schnell überlastet. Auch hier gilt es die entsprechenden Übungen vorbereitend bei jedem Training durchzuführen, sodass die Fehlstellung behoben und das Training schmerzfrei durchgeführt werden kann. Nach der Anamnese, dem Screening und dem vorbereitenden Training sollte mit einem funktionellen Aufbautraining gestartet werden. Kraftmaschinen sind hier nur bedingt sinnvoll, da Kniebeugen und Ausfallschritte auch bei alltäglichen Bewegungen durchgeführt werden und somit die Muskulatur besser auf den Alltag vorbereiten.

Im nächsten Blogeintrag gehen wir genauer auf das Thema Einlagen ein und erklären Euch den (Un)Sinn dahinter.

Abbildung 1: https://www.leading-medicine-guide.de/Knochen-Gelenke-Wirbelsaeule/X-Beine-und-O-Beine