Interview mit Ester Jakonic

In unserem Blog geht es diesen Monat um ein Mitglied. Ester trainiert seit einigen Jahren bei uns und hat durch das Training ihre Magersucht bezwungen. Mittlerweile ist Sie über die Stadtgrenzen heraus bekannt und es wurde ein Artikel über sie in der „Welt“ veröffentlicht. Lest selbst, wie sie zu uns gekommen ist und folgt ihrer Story.

Sports: Ester, bei uns kennt Dich wirklich jeder im Studio. Wie lange bist du eigentlich schon Mitglied?

Ester Jakonic: „Seit ca. drei Jahren bin ich jetzt hier.“

Wie kam es dazu, dass Du Dich in einem Fitnessstudio angemeldet hast? 

„Es war damals so, dass ich zunächst zuhause mit eigenem Körpergewicht und Kurzhanteln trainiert habe. Dann habe ich mich immer mehr mit dem ganzen Fitnessthema beschäftigt und auch auf Instagram viele Mädels gesehen, die in einem Studio trainieren. Das wollte ich dann auch einmal ausprobieren.“

Wie bist Du auf das Sports gekommen? 

„Ich war vorher noch nie in einem Fitnessstudio. Ich wusste von einer Freundin, dass sie im Sports angemeldet ist. Damals gab es dann ein Angebot, dass man einen Freund für eine Woche gratis mitbringen konnte. Nach zwei Tagen Training kam Marcel auf mich zu und hat mir ein gutes Angebot gemacht. Eigentlich bin das gar nicht ich, so etwas so spontan zu entscheiden. Aber ab dem ersten Moment hat mir das so viel Spaß hier gemacht und ich wusste, dass ich das weitermachen will. Seither bin ich hier angemeldet und außer, wenn ich krank oder im Urlaub war, auch jeden Tag da.“ 

Hast Du Dich als Du hier angefangen hast auch für Deine Ausbildung zur Gymnastiklehrerin entschieden, oder war Dir von vorneherein klar, dass Du etwas mit Sport machen möchtest? 

„Ich hatte nie etwas mit Sport zu tun. In die Ausbildung, die ich ja mittlerweile beendet habe, wurde ich einfach reingesteckt. Ich habe damals einen Berufsorientierungstag gemacht und die Ausbildung war im Grunde meine einzige Möglichkeit. Als ich ins Sports gekommen bin, war ich gerade in meinem ersten halben Jahr.“ 

Wo hast Du die Ausbildung gemacht? 

Auf dem Berufskolleg in Bergisch Gladbach. Es war eine schulische Ausbildung. 

Mittlerweile übernimmst Du ja auch Kurse bei uns. Wie hat sich das entwickelt?

„Wir hatten so eine Art Schulfach, das aber außerhalb der Schule stattfand. Da musste man sich immer einen Kurs in einem Verein oder einem Studio raussuchen. Von diesen Phasen hatten wir insgesamt acht bis zehn. Während meine Mitschüler immer irgendwo anders hingegangen sind, habe ich alle Phasen hier im Sports absolviert. Ich habe mir einfach immer andere Kurse herausgesucht. Am Ende gab es auch immer eine Prüfung, bei der meine Lehrer hierher kamen und sich angeschaut haben, wie ich das geleitet habe. 

Seither vertrete ich auch gerne Kurse wie Tim‘s Bodybuilding-Kurs.“

Wie bist Du auf Instagram gestoßen und wie hat Dir die App geholfen deine Essstörung zu überwinden? 

Als ich noch in der Essstörung war, bin ich auf Instagram gestoßen. Dort bin ich erst einmal nur Leuten gefolgt, die ebenfalls davon betroffen waren. Dann werden einem bei Instagram aber auch andere Leute vorgeschlagen. Da sind irgendwann immer häufiger Fitness-Accounts aufgetaucht, auf die ich dann einfach mal drauf gegangen bin. Nach und nach hat sich mein Bild von einem schönen Körper von krankhaft abgemagert zu fit und trainiert verändert. Die Fotos der Mädels haben mich unglaublich motiviert. Nicht nur ihre körperliche Stärke hat mich beeindruckt, sondern auch ihr absoluter Wille. Vor allem habe ich gesehen, dass sie damit glücklich sind. 

Und damit hast auch Du Dich verändert? 

Die Veränderung kommt nicht von einem Tag auf den anderen. Ich hatte auch einige Rückfälle, aber als ich wirklich mit dem Training hier angefangen habe, war das meine Motivation zuzunehmen. Ich wusste, wenn ich wirklich Muskeln aufbauen will, reichen keine 300-500 Kalorien am Tag. Als ich gemerkt habe, dass ich dadurch Fortschritte mache, Muskeln aufbaue und man im Spiegel auch etwas sieht, hat mir das noch einmal einen neuen Schub Motivation gegeben. Man kann die Krankheit zwar nicht einfach so abschalten, aber immer, wenn es mir schwer gefallen ist zu Essen, hat mir das Training dabei geholfen. 

Hast Du sozusagen den Kontrollzwang nicht zu essen, in eine positive Kontrolle zum Training umgewandelt? 

Das Training ist immer noch wie eine Therapiestunde für mich. Es ist nicht nur die körperliche Veränderung – auch vom Kopf her hat mich das stark gemacht. Der Arzt hat damals gesagt: „Du kippst spätestens in einem Monat tot um.“ Und, dass ich es jetzt alleine da raus geschafft habe, hat mich unglaublich stark gemacht. Ich weiß jetzt, wenn ich das geschafft habe, kriege ich alle schwierigen Situationen auch noch hin. Wenn man wirklich etwas will, dann ist alles möglich, auch wenn es mal schwer wird. 

Bei Instagram hast Du mittlerweile fast 15.000 Follower. Eine ganz schön beeindruckende Zahl….

Ich hatte nie das Ziel, dass es mit Instagram so wird wie es jetzt ist. Ich habe einfach meinen Weg gepostet. Und anscheinend fanden viele Leute das interessant. 

Wie viele Nachrichten bekommst Du am Tag? 

Das ist schon viel. Ich lebe gefühlt an meinem Handy. Ich kenne viele, die Nachrichten gar nicht beantworten. Aber ich kann das nicht. Wenn mir jemand einen Text schreibt, versuche ich da schon drauf zu antworten. Das dauert manchmal schon echt lange. Wenn ich Tipps gebe, und sehe, wie die Leute es umsetzen, ist es aber einfach schön und das Ganze wert. 

Seit kurzem hast Du auch einen Youtube-Chanel. Wie ist es dazu gekommen und wie ist das Feedback dazu?  

Ich habe viele Nachrichten bekommen, mit Fragen, die sich immer wieder wiederholt haben und in einem Post nicht einfach zu beantworten waren. Dann habe ich mich dazu entschieden, Videos dazu machen. Das Feedback war ausnahmslos positiv. Ich plane auch weitere Videos. Ich nehme das aber nicht ganz so ernst. Ich verdiene damit kein Geld also bin ich auch nicht gezwungen dazu. Wenn ich mal keine Lust habe mich vor die Kamera zu setzen, dann mache ich das auch nicht. Das würde man mir ansonsten auch anmerken. 

Vor kurzem hat sogar die WELT über Dich berichtet. Wie kam es dazu? 

Ich habe ein E-Mail von denen bekommen, weil meine Adresse ja auch bei Instagram sichtbar ist. Ich war schon kurz davor das zu löschen, weil ich auch viele komische Nachrichten bekomme. Aber dann habe ich sie doch gelesen und sie haben gefragt, ob sie ein Interview mit mir machen können. Ich habe allerdings wirklich bis zum Tag des Interviews gezweifelt, ob das wirklich ernst ist. Denen habe ich dann nochmal genau meinen Weg geschildert. Nachdem der Artikel dann veröffentlich wurde, habe ich auch noch einmal viele Nachrichten bekommen. Zum Beispiel hat mir auch eine Therapeutin geschrieben, die den Artikel einer Patientin mitgegeben hat.