Der (Un-)Sinn von Einlagen bei Knie-, Hüft- oder Rückenschmerzen

In unserem letzten Blogeintrag haben wir Euch über mögliche Ursachen und die Therapie von Knieschmerzen aufgeklärt. Wenn ihr Euch erinnert, war häufig eine zu gering ausgeprägte Fußmuskulatur die Ursache für unsere Probleme in den Knien, da es durch den sogenannten Spreiz- oder Senkfuß zu Fehlstellungen im Gelenk kommen kann. (Wer den Blogeintrag verpasst hat, kann ihn hier noch einmal nachlesen).  Doch statt die Ursache zu bekämpfen und zum Beispiel das Fußgewölbe zu trainieren, verschreibt der Orthopäde gerne Einlagen. Doch warum macht er das überhaupt und viel wichtiger: Ist das sinnvoll für uns?

Häufig kommt es nicht nur bei einer Knieproblematik, sondern auch bei Hüft- oder Rückenbeschwerden zu einer Überweisung vom Hausarzt zum Spezialisten, dem Orthopäden. Dieser schaut sich die Körperhaltung an und diagnostiziert einen Platt-. Spreiz-, oder Senkfuß. Vor allem in den westlichen Industrieländern ist die Zahl der mit einer solchen Diagnose Betroffenen mit 40-50 Prozent sehr hoch. Laut Experten leiden alleine in Deutschland bis zu 60 Prozent an einer Fußfehlstellung. Für Orthopäden also ein gutes Geschäft, Einlagen für Preise zwischen 25 und 200 Euro zu verkaufen. Während man bei der Medikation von anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck zahlreiche Studien zur Wirksamkeit des Medikamentes nachweisen muss, zählt hier jedoch häufig nur die Erfahrung des Arztes. Es ist also ratsam, den Sinn der Einlagen einmal zu hinterfragen.

Dazu betrachten wir zunächst die Vorgehensweise: Der Patient geht in ein zertifiziertes Sanitätshaus, tritt dort in einen Karton aus Schaumstoff, woraus später die Einlage geformt werden kann. Einige Tage später kann der Patient diese dann abholen und in seinen Schuh packen. Tatsächlich stellt sich sofort ein völlig neues Körpergefühl ein. Doch was passiert mit dem Körper? Die Fehlstellung wird extern durch die Einlage in seine vermeintlich richtige Position gedrückt. Steht nun der Fuß auf der Einlage, sieht er ergonomisch aus und das Haltungsbild scheint verbessert. Der durchschnittliche Deutsche verbringt in seinem Alltag über neun Stunden in seinen Schuhen, sodass nun der Fuß in dieser Zeit selbst nicht arbeiten muss. Die Folge ist ein Abbau der Fußmuskulatur. Geht der Patient aus seinem Schuh heraus, so hat sich das Fußgewölbe aufgrund der fehlenden Muskulatur weiter verringert und die Problematik wird eher verstärkt.

Häufig liegt die Ursache für einen Plattfuß in einer fehlenden Ansteuerung der Gesäßmuskulatur, sodass nun der Unterschenkel durch die Einlage nach außen rotiert wird, jedoch der Oberschenkel – initiiert durch eine Fehlansteuerung der Pomuskulatur – nach innen rotiert ist. Die Problematik im Fuß scheint behoben, die eigentliche Ursache der Gesäßansteuerung jedoch nicht. Die Belastung auf die Knie ist nun aufgrund einer verschobenen Statik erhöht und der Patient bekommt Knieschmerzen. Dies ist ein sehr häufiges Fehlbild, welches meist nur über wenige Wochen anhält, da sich der Körper an die neue Haltung der Beinachse anpasst, Spannungszustände in bestimmten Bereichen erhöht und somit den Schmerz automatisch reduziert. Langfristig führt dies jedoch zu einer erhöhten Problematik im Knie, was bis zu Meniskus- oder Knorpelschäden führen kann. Die selbe Problematik finden wir auch bei Laufschuhen. Nachdem eine Laufanalyse durchgeführt wurde, wird ein Schuh mit einer entsprechenden Stabilisierung des Fußes empfohlen. Leider wird hier meist nur der Unterschenkel abgelichtet und nicht die gesamte Beinachse betrachtet. Die fehlende Ansteuerung der Gesäßmuskulatur wird also nicht als Ursache in Betracht gezogen und die Symptomatik verschärft sich abermals.

Fazit: Empfehlenswert ist eine professionelle Haltungs- und Bewegungsanalyse, in der herausgefunden wird, wo die eigentlichen Ursachen für die Symptome liegen. Hierdurch kann nicht nur das Haltungs- und Gangbild verbessert, sondern auch präventiv Schmerzen vorgebeugt werden. So bleiben die Gelenke bis ins hohe Alter gesund.

Übungen für ein starkes Fußgewölbe:

  • Um eine optimale Gesäßansteuerung zu erlangen, empfiehlt es sich, Übungen Barfuß auf einem Bein zu machen. Es ist darauf zu achten, dass im Fuß ein Drei-Punkt-Kontakt zum Boden entsteht (Großzehengelenk – kleiner Zehe – Ferse). Danach wird das Fußgewölbe aktiv aufgebaut: Stellen Sie sich auf ein Bein und versuchen Sie, fünf bis zehn Mal mit der Hand ihren Fuß zu berühren, ohne dass Sie den zweiten Fuß auf dem Boden abstellen.
  • Eine weitere, einfach in den Alltag zu integrierende Übungen ist das Aufgreifen eines Handtuchs mit den Zehen. Versuchen Sie zehn Mal ein auf dem Boden liegendes Tuch mit ihren Zehen zu greifen und sich selbst in die Hand zu geben.
  • Generell ist es das Gesündeste für den Fuß, so viel wie möglich Barfuß zu laufen. Am Besten im Freien auf unterschiedlichen Untergründen, damit der Fuß viel arbeiten und muss und gefordert wird.